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Testosteron-Ersatztherapie mit z.B. Testoviron-Depot 250®, Andriol® und Nebido®


Das männliche Sexualhormon Testosteron ist der Dreh- und Angelpunkt der zum Teil kontroversen Hormonersatztherapie. Dieser Themenkomplex lässt sich unterteilen in einen aufgrund einer Erkrankung bedingten Testosteron-Mangel und einen deutlich davon abgegrenzten, als Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Beide haben allerdings eine direkte Auswirkung auf die männliche Sexualität. Die Grundlage einer Hormonersatztherapie ist die Bestimmung des freien Testosteron, das durch unterschiedliche Verfahren gemessen werden kann. Die exaktesten Bestimmungen erfolgen durch die aufwendige Technik der Equilibrium-Dialyse bzw. der Ultrazentrifugation. Da aber diese Verfahren zumeist für die Routineanalytik ausscheiden, ist die am häufigsten verwendete Methode die mit Fehlerquellen behaftete Messung im Blutserum. Um diese Fehlerquellen zu minimieren, empfiehlt sich die parallele Bestimmung des Gesamt-Testosteron sowie das Sexualhormon bindende Globulin (SHBG) und die rechnerische Ermittlung des freien Testosteron. Dieser Aufwand ist nötig, da Testosteron im Blut zu einem überwiegenden Anteil an Protein gebunden ist.

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Testosteron ist zu ca. zwei Dritteln in einer inaktiven Form (SHBG) und mit einer geringeren Affinität (ca. ein Drittel) an unspezifische Proteine wie Albumin gebunden. Die Bestimmung des freien Testosteron (fT) misst dabei den ungebundenen Testosteron-Anteil, der dem Körper direkt zur Verfügung steht. Das bioverfügbare Testosteron (BAT) beinhaltet neben dem frei Verfügbaren (fT) das an Albumin gebundene Testosteron, was der Körper auch relativ schnell zur Verfügung stellen kann. Die Referenzbereiche des freien Testosteron liegen bei gesunden Männern im Alter von 17-65 Jahren bei ca. 0,091 – 0,579 nmol/l (1,59–2,95 %) und in der bioverfügbaren Variante (BAT) bei ca. 2,14–13,6 nmol/l (37,3–69,1 %). Diese Referenzwerte müssen nicht grundsätzlich übertragbar sein, denn oftmals haben Labore voneinander abweichende Referenzen, und die hier genannten Werte stellen lediglich einen Anhaltspunkt dar auf Basis der am meisten zitierten Studie, ohne individuelle Umstände und das genaue Alter zu berücksichtigen.

Davon ausgehend, dass ein krankhafter 
Testosteron-Mangel bzw. Androgenmangel von dem behandelnden Mediziner festgestellt wird, lässt sich zumeist von Formen des Hypogonadismus ausgehen. Der primäre Hypogonadismus zeichnet sich durch eine Störung der Gonaden (beim Mann die Hoden), der sekundäre durch eine Störung der Hypophyse und der tertiäre durch eine Fehlfunktion des Hypothalamus aus. Die Auswirkungen von dauerhaft niedrigen Androgenwerten sind vielfältig, auszugsweise wären anzuführen:

Vasomotorische und nervöse Symptome
•    Hitzewallungen,
•    Schlaflosigkeit,
•    Nervosität.

Psychische Beschwerden
•    Reizbarkeit und Lethargie,
•    verringertes Wohlbefinden,
•    Motivationsmangel,
•    geringe mentale Energie,
•    Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis,
•    Depression,
•    geringes Selbstbewusstsein,
•    Angstgefühle.

Männlichkeit
•    verringerte Kraft und physische Energie,
•    verringerte Muskelmasse,
•    Verlust der Schambehaarung,
•    Fettleibigkeit.

Sexualität
•    geringere Libido,
•    verringerte sexuelle Aktivität,
•    abgeschwächte erektile Funktion,
•    Orgasmusprobleme,
•    geringeres Volumen des Ejakulats.

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Dem Hypogonadismus steht ein Androgendefizit aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses gegenüber, was im Grunde genommen keine Erkrankung darstellt. Im Gegensatz zum Klimakterium der Frau existiert für die „Wechseljahre des Mannes“ noch kein etablierter Begriff, derzeit gängige Synonyme in alphabetischer Reihenfolge sind:

•    ADAM, Androgen Decline in the Aging Male (Androgenrückgang beim alternden Mann),
•    Andropause,
•    Klimakterium virile,
•    PADAM (Partielles Androgen-Defizit des Alternden Mannes).

Eines der Hauptprobleme bei der Hormonersatztherapie beim alternden Mann ist, dass sie nicht ansatzweise soweit erforscht ist wie bei Frauen. In manchen Publikationen wird davon ausgegangen, dass man 10-20 Jahre in der Forschung hinterherhinkt. Es ist Fakt, dass bei beiden Geschlechtern die Hormonumstellung bzw. die fallenden Hormonwerte während des Alterungsprozesses in unterschiedlicher Ausprägung körperliche Beschwerden hervorrufen können und zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.

Im Alter zwischen 40-70 Jahren fällt das biologisch aktive freie 
Testosteron (fT) im Blutserum um ca. 1,2 % pro Jahr, bei einem gleichzeitigen Anstieg von SHBG. Dem zum Trotz wird aktuell eine Hormonersatztherapie beim alternden Mann nur dann indiziert, wenn ein Testosteron-Mangel eindeutig nachgewiesen werden kann, der in einem direkten Zusammenhang zu klinischen Symptomen steht. Diese Indikation läuft darauf hinaus, dass eine altersassoziierte Veränderungen der Sexualhormone beim Mann nur dann therapiert werden kann, wenn zusätzlich eine Form des Hypogonadismus diagnostiziert wird. Das Problem dabei ist, dass der sekundäre Hypogonadismus zwar überwiegend als Ursache für ein altersassoziiertes Androgendefizit gilt, aber oft lässt sich der Testosteron-Mangel bei PADAM nicht immer auf ein klinisches Zeichen zurückführen, sondern auf ein gestörtes Verhältnis der verschiedensten Hormone (DHEA, WachstumshormonTestosteron, Estrogene).



In dem Fall, dass eine Hormonersatztherapie indiziert sein sollte, gibt es verschiedene Richtlinien, die bei der Behandlung vom Mediziner beachtet werden sollten. Ein Beispiel für aufgestellte Richtlinien, die eingehalten werden sollten, sind folgende:

•    Das Androgen muss die Eigenschaft besitzen, zu Estrogenen aromatisiert zu werden, denn diese benötigt das Gehirn, der Lipidstoffwechsel und die Knochen in ausreichender Menge.
•    Die Metabolisierungsrate zu 5α-Dihydro-Testosteron (DHT) sollte niedrig sein, da DHT für diverse Nebenwirkungen sorgen kann.
•    Die Applikationsmethode sollte einen physiologischen Langzeitspiegel (Normwerte) haben und supraphysiologische (über der Norm) und infraphysiologische Werte (unter der Norm) möglichst vermeiden („Spiegelschwankungen“).
•    Allgemein sind die zu erwartenden Nebenwirkungen zu berücksichtigen und ökonomische Prinzipien (Wirtschaftlichkeit) sollten gewahrt werden.
Den Medizinern stehen für die Applikationsmethode mehrere verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen.

Intramuskuläre Testosteron-Präparate
Die intramuskuläre Verabreichung von Testosteron ist die am häufigsten angewandte Form der Substitutionstherapie. Zu diesem Zweck werden Testosteron-Präparate mit einer Depotwirkung aufgrund der längeren Halbwertszeit verabreicht, u.a. in Form von  Testosteron-Enanthat (z.B. Testoviron-Depot 250®) oder Testosteron-Cypionat (z.B. Testex Prolongatum®). Intramuskulär verabreichte Testosteron-Präparate führen aber zu einer schwankenden Wirkstoffkonzentration im Blutserum. Nach der Verabreichung des Wirkstoffes erreicht man schnell den supraphysiologischen Bereich - gefolgt von einer kurzen Zeit im physiologischen und einem raschen Abfall in den infraphysiologischen Bereich. Um zu starke Schwankungen zu vermeiden, erfolgt nach jedem Therapieintervall eine gewissenhafte Kontrolle der Testosteron-Konzentration im Serum, um mithilfe des Injektionsintervalls einen möglichst konstanten Spiegel zu gewährleisten. Im Gegensatz zu diesen Estern sind die Injektionsintervalle eines Testosteron-Undecanoat (z.B. Nebido®) aufgrund der Halbwertszeit länger mit einer vergleichsweise konstanten Konzentration im physiologischen Bereich.

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Transdermale Testosteron-Präparate
Hier handelt es sich um Präparate, die durch die Haut aufgenommen werden. Zu diesem Zweck wird Testosteron mithilfe eines Pflasters bzw. „Patch“ (z.B. Androderm®) oder Gels auf die Haut gebracht. Um eine ausreichende Aufnahme des Wirkstoffes über die Haut zu gewährleisten, sind die verschiedenen Systeme mit so genannten „Enhancern“ (Verstärker und Transportmittel) versehen, die oftmals zu Hautirritationen führen können. Systeme, die auf den Hodensack geklebt werden (transskrotale), stellen sich aufgrund des hohen Resorptionsvermögens der dortigen Haut als besonders viel versprechend dar. Weitere Vorteile gegenüber anderen Methoden ist die Verwendung von natürlichem Testosteron, um die Systeme (Pflaster/“Patch“) zu beladen und eine sehr konstante Wirkstoffkonzentration zu erzielen. Ein deutlicher Nachteil ist, dass aufgrund der hohen 5α-Reduktase-Aktivität der Skrotalhaut ein hoher Anteil des Testosteron in Dihydro-Testosteron umgewandelt werden kann. Das Enzym 5α-Reduktase bildet dabei aus Testosteron dessen aktiven Metaboliten 5α- Dihydro-Testosteron (DHT). Es konnte aber aufgrund der erhöhten DHT-Konzentrationen bei diesem System keine Auswirkungen auf die Größe der Prostata festgestellt werden. Die Systeme, die auf die Haut als Gel aufgetragen werden, führen ebenfalls aufgrund der „Enhancer“ häufig zu Hauirritationen. Darüber hinaus ist deren Resorptionsvermögen deutlich geringer einzustufen, was diese Form der Behandlung nur für Patienten mit weniger stark ausgeprägten Beschwerden sinnvoll erscheinen lässt.

Orale Testosteron-Präparate
Die orale Variante von Testosteron-Undecanoat (z.B. Andriol®) wird nicht wie viele andere AAS durch den First-Pass-Effekt abgebaut bzw. deaktiviert. Es wird in der Hauptsache lymphogen resorbiert, d.h. als Transportweg werden die Lymphgefäße genutzt, was allerdings zu einer schlechteren Bioverfügbarkeit führt. Im Zusammenhang mit der kurzen Halbwertszeit (T1/2) und dem Zeitraum von 2-6 Stunden (Tmax) bis zum Erreichen der Spitzenkonzentration (Cmax), wird das Präparat auf 2-3 Einnahmen von 2-4 Kapseln über den Tag verteilt, vorzugsweise während einer fettreichen Mahlzeit, um die Resorption zu verbessern. Diese Punkte zusammengenommen führen zu ständigen kurzfristigen „Spiegelschwankungen“ und machen eine genaue Testosteron-Bestimmung anhand des Serums unmöglich.

Bei dem Wirkstoff Mesterolon (z.B. Proviron®) handelt es sich um ein DHT-Derivat, das analog zu DHT wirkt. Das heißt, dass Mesterolon lediglich die Funktionen von DHT im Körper übernehmen kann. Es wird weder zu Testosteron noch zu Estrogenen konvertiert. Daher sind Präparate, die den Wirkstoff Mesterolon enthalten, für eine Hormonersatztherapie bei altersassoziiertem Hypogonadismus ungeeignet. Lediglich bei Beschwerden, die nicht auf einen Mangel an Testosteron zurückzuführen sind, sich aber oftmals ähneln, kann Mesterolon in manchen Fällen helfen. Ebenfalls sind die früher (in den 70er Jahren) bei der Behandlung von Hypogonadismus gebräuchlichen 17a-alkylierten AAS wie Methyl-Testosteron und Fluoxymesteron nicht mehr gebräuchlich. Dies liegt zum einen an der Hepatoxizität dieser Substanzen, und zum anderen sind die heutigen Wirkstoffe um ein vielfaches effektiver.

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Subkutan implantierbares kristallines Testosteron
Diese Methode, Testosteron zu verabreichen, gehört mit zu den ältesten Formen der Behandlung. Klare Vorteile sind die Verwendung von natürlichem Testosteron mit einem günstigen Verlauf des Serumtestosteronspiegels bei einer Wirkdauer von 4-5 Monaten (z.B. Testosterone implant®). Die Implantate werden durch einen Schnitt (Hautinzision) unter die Bauchhaut eingebracht und müssen nach Entleerung wieder entfernt werden.

Mehr Infos zu Testosteron und seinen Abkömmlingen in "Anabole Steroide 2010 - Das Schwarze Buch".


Text entstammt auszugsweise "Manneskraft reloaded - Der Potenzpillen-Guide" mit freundlicher Genehmigung des Verlags



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Testosteron  ist das primäre männliche Geschlechtshormon