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Melanotan I, II und Bremelanotid
Um
Melanotan und Bremelanotid kursieren derartig viele
Missverständnisse in
Foren,
dass wir uns mal die gesamte Entwicklungsgeschichte näher
betrachten.
Der geistige Ursprung dieser drei Substanzen ist ein Forscherteam von
der University of Arizona um Mac Hadley (Biologe), Norman Levine
(Krankenhausarzt), Robert Dorr (Pharmakologe) und Victor Hruby
(Chemiker). Diese Gruppe wird auch das „Arizona
Team“
genannt und ist führend (USA) in der Erforschung der
Melanocortine
zu kommerziellen Zwecken (Beginn ca. 1985). Die Melanocortine sind
Pepdithormone, die im Hypothalamus und/oder Hypophyse gebildet werden:
• Melantropin auch Melanozyten
stimulierendes
Hormon genannt (MSH), aufgeteilt in α-MSH,
β-MSH und
γ-MSH
• Adrenocorticotropin (ACTH)
Die Melanocortine MSH und ACTH aktivieren die Melanocortinrezeptoren
(MC1R-MC5R) und vermitteln ihre Wirkung über diese weiter.
Nach
einem Mythos gab die brennende Sonne Arizonas den Ausschlag
für
das Entwicklungsteam, nach einer Hautkrebsprophylaxe zu forschen. Bei
dem synthetischen Melanocortin analogen Melanotan I (MT-I bzw. CUV1647)
handelt es sich um ein lineares Peptid, dies ist eine chemische
Verbindung aus verschiedenen Aminosäuren. Die
Aminosäuren
werden auf eine bestimmten Art (z.B. linear, zyklisch) und Reihenfolge
(Sequenz) zu einer Kette angeordnet und werden durch
Carbonsäureamide miteinander verknüpft. Das
„Ausgangsmaterial“ von Melanotan
I war das
natürliche
α-MSH mit der Primärstruktur:
•
Ac-Ser-Tyr-Ser-Met-Glu-His-Phe-Arg-Trp-Gly-Lys-Pro-Val-NH2
Aus dieser Sequenz „schnitt“ das „Arizona
Team“
zwei Aminosäuren heraus und ersetzten diese, damit war das
synthetische Melanotan I erschaffen:
•
Ac-Ser-Tyr-Ser-Nle-Glu-His-DPhe-Arg-Trp-Gly-Lys-Pro-Val-NH2
Melanotan I ist ein
α-MSH Agonist und verfügt
über eine
verstärkte Bindung an MC1R (kontrolliert die
Hautbräunung)
und eine längere Plasmahalbwertszeit als die
natürliche
Variante. Melanotan I stimuliert die
Pigmentproduktion (Melanin) in den
Pigmentzellen (Melanocyten) der Haut. Der künstlich
erhöhte
Melaningehalt bietet einen verstärkten Schutz vor den
Auswirkungen
der UV-Strahlung und soll so das Hautkrebsrisiko senken, mit dem netten
Nebeneffekt, dass man knackig braun wird. Die Firma Clinuvel
Pharmaceuticals Ltd. (vorher EpiTan Ltd.) vermarktet Melanotan I
(CUV1647), es ist nicht in der BRD zugelassen. Robert Dorr wurde damals
als Berater und Anteilseigner (Shareholder) von EpiTan Ltd. genannt,
zusätzlich hat er und Mac Hadley Lizenzgebühren
(royalties)
erhalten. Dies ist kein „offenes Geheimnis“ sondern
wird
explizit erwähnt und transparent vom „Arizona
Team“
bzw. der University of Arizona gehandhabt.
Das „Arizona Team“ forschten weiter an Melanotan I, das
nun als
Prototyp für ein weiteres synthetisches Peptid diente. Die
Kette
vom linearen Peptid Melanotan I wurde verkürzt und
in ein zyklisches
(c)
Peptid verändert:
• Ac-Nle-c(Asp, His, DPhe, Arg,
Trp, Lys)-NH2
Das Resultat erwies sich als noch potenter als sein Prototyp (Melanotan I) und
wurde auf den Namen Melanotan II (MT-II) getauft. Nach
präklinischen Tests an Hasen und anderen Nagern begann man in
klinischen Studien der Phase I Melanotan II an einer geringen Zahl
menschlicher Probanden zu testen. Aufgrund eines Unfalls bei den Tests
von Melanotan II stellte sich heraus, dass
Melanocortine einen Einfluss auf
die menschliche Sexualität haben. Mit den gewonnenen Daten
versuchte das Team Melanotan II kommerziell zu nutzen, doch
kein Hersteller
wollte es haben. Eine eventuelle Zulassung soll auch von vornerein
ausgeschlossen gewesen sein, die FDA winkte bei Anhörungen
wohl
schon auf Basis der wenigen gewonnen Daten ab. Melanotan II hat einfach eine
zu gewaltige Bandbreite an Nebenwirkungen!
Irgendwie bahnte sich dann Melanotan II doch als sogenannte
„Barbie
Drug“ seinen illegalen Weg auf den freien Markt, mit der
Folge,
dass die FDA über das angeschlossene „Safety
Information and
Adverse Event Reporting Program“ eine Warnung aussprach.
Darüber hinaus mahnte das „Department of Health and
Human
Service“ (FDA, NO District) eine Firma ab, die Melanotan II in den
USA
vertrieb (2007). Wer also meint, Melanotan II zu missbrauchen, sollte sich
vor
Augen führen, dass es sich um eine Substanz handelt, der schon
aufgrund der präklinischen Tests an Nagern und einiger weniger
Menschen in Phase I Studien die Zulassung prophylaktisch von der FDA
versagt wurde.
Doch dies war nicht das Ende der Fahnenstange, den Amerikanern wird ja
gerne eine gewisse Risikobereitschaft was Geschäfte angeht
nachgesagt, im Fall von Palatin Technologies Inc. aus New Jersey
scheint sich dies zu bestätigen.
Der Molekularbiologe und Präsident der damals 20
köpfigen
Firma, Carl Spana, sicherte sich gewisse Rechte an Melanotan II, Palatin
Technologies Inc. hat zu diesem Zweck Lizenzgebühren
(royalties)
an Robert Dorr und Mac Hadley gezahlt. Nun konnte die Laborleiterin von
Palatin Technologies Inc., Annette Shadiack und ihr Team die
Entwicklung unter den Projektnamen PT141 aufnehmen. Das
Entwicklungsteam ersetzte in einem Zeitraum von ca. 7 Jahre die
Amidgruppe (NH2) von Melanotan II durch eine Carboxyl-Terminus
Gruppe (OH) und
schalteten auch die ungewünschte Wirkungen
(Bräunungseffekt,
Appetitunterdrückung) bzw. Nebenwirkungen die Melanotan II untragbar
gemacht hatten aus:
Melanotan II
•
Ac-Nle-c(Asp, His, DPhe, Arg,
Trp, Lys)-NH2
PT141
• Ac-Nle-c(Asp, His, DPhe, Arg,
Trp, Lys)-OH
Diese Veränderung von Melanotan II und die darauf folgenden
Tests
führten laut Berichten dazu, dass PT141 firmenintern nur noch
„Passion“ (Leidenschaft) genannt wurde.
Was ist bei den Tests geschehen? Nun, man verabreichte
„Passion“ an weiblichen Ratten, die durch den
Käfigaufbau entscheiden konnten, ob sie Sex haben wollte oder
nicht, daraufhin sollen die Tiere schier ausgeflippt sein und nur noch
„gerammelt“ haben. Nach der Auswertung aller
präklinischen Tests ging man an menschliche Testobjekte, laut
inoffiziellen Berichten sollen die männlichen und weiblichen
Probanden den Prototypen als Nasenspray erhalten haben.
Nach der Anwendung soll es umgehend gewirkt haben und die Frauen sollen
geradezu „übermannt“ worden sein von der
Lust nach
Sex. Ein männlicher Proband der als „Test Subject
041“
bezeichnet wird, soll auf die Frage wie Er die Qualität seiner
Erektion auf einer Skala von 1-5 bewerte mit einer
„Six“
beantwortet haben. Das hört sich natürlich alles zu
schön an um wahr zu sein, aber wenn einer ehemals
20köpfigen
Firma von Investoren (u.a. Banken) 150 Millionen $ (Stand 2006)
bewilligt werden, muss da schon was dran sein!
Betrachten wir mal die bisherigen Aussagen, Beobachtungen und Daten von
Revolverblättern, angesehene Magazinen, Fachzeitschriften,
Palatin
Technologies Inc. und unabhängigen Instituten in denen
klinischen
Studien (I-III) durchgeführt wurden:
• Der Metabolit von Melanotan II namens
P141 alias
„Passion“ und nun Bremelanotid
wird gerne als
Medikament
für Frauen vermarktet, Bremelanotid
wirkt
aber bei beiden
Geschlechtern. Dieses Vorgehen ist eine Marketingstrategie, hier wird
lediglich ein ganz neuer Markt erschlossen
• Bremelanotid
ist
ein
Melanocortin Agonist, der MCR3 und MCR4 im ZNS zu stimulieren scheint
• Probanden beider Geschlechter
berichten nach
der Einnahme von Bremelanotid
über
eine gesteigerte Libido und sind begeistert
• Manche Studien kommen zu dem
Schluss, dass Bremelanotid
neben
der gesteigerten Libido bei Frauen
zusätzlich zu einer verstärkten Durchblutung im
vaginal
Bereich führt
• Bei Männern scheint
sich Bremelanotid
laut
einiger Studien zusätzlich für die Behandlung
von
gemischten Formen der Erektilen Dysfunktion (psychogen, organisch) zu
eignen
• Bremelanotid
in
Kombination
mit PDE-5-Hemmern zeichnet
sich als hochgradig effektiv ab bei manchen Formen der Erektilen
Dysfunktion
• Die Nebenwirkungen von Bremelanotid
scheinen
so
unerheblich zu
sein, dass Bremelanotid
in
allen Studien als sehr gut
verträglich
bezeichnet wird, dies bei Dosen von 0,3mg-20mg
Die einzige Übereinstimmung, die sich bei allen Darstellungen
wiederfand:
• Eine gesteigerte Libido
• Nebenwirkungen, die so
unerheblich scheinen,
dass diese nicht mal prozentual aufgelistet wurden , lediglich
„Flush“ und „stretch-and-yawn
response“ werden
namentlich erwähnt
• Begeisterte Probanden beider
Geschlechter
Ich komme zu meiner oben genannten Auflistung, da fast alle der wenigen
klinischen Studien von Palatin Technologies Inc. oder deren
Mitarbeitern durchgeführt wurden und die meisten Berichte sich
auf
deren Daten stützten. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, damit
ist
eine bewusste, aber vor allem unbewusste Verzerrung der gewonnenen
Daten und Ergebnisse gegeben.
Besonders widersprüchlich sind die Meldungen was denn Bremelanotid
nun
ist, ein „Libidomittel“,
„Potenzmittel“ oder vielleicht beides? Mir kommt es
bei
einigen Meldungen und Aussagen die ein
„Potenzmittel“ sehen
so vor, als ob etwas fehlinterpretiert wurde. In klinischen Studien
(auch vergleichend) wurde Bremelanotid
an
Probanden verabreicht, die
speziell mit Viagra®
unzufrieden waren und/oder bei denen es
angeblich nicht wirkt (non-responder), mit dem Ergebnis, dass
fortan Bremelanotid
bevorzugt
wurde. Mit einem Medikament
„unzufrieden“ zu sein, ein anderes zu bekommen und
es dann
zu „bevorzugen“ ist die Beschreibung einer
subjektiven
Empfindung und keine empirischen Daten. Es wird von Empfindungen
gesprochen „passion, sexual desire, sexual
appetite“ die
mit der Libido einhergehen und nicht mit Mechanismen der Potenz. Wieso
waren die Probanden unzufrieden mit Viagra®?
Wieso hat das
Medikament bei einigen nicht gewirkt? Dies wurde weder untersucht,
dokumentiert noch wurde in irgendeiner Form darauf eingegangen.
Vielleicht hatten die Probanden kein Problem mit ihrer Potenz, sondern
mit der Libido und deshalb konnte Viagra®
gar nicht wirken?
Text
entstammt auszugsweise "Manneskraft
reloaded - Der Potenzpillen-Guide" mit freundlicher Genehmigung
des Verlags
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| www.potenzmittel24.info | Melanotan
II und Bremelanotid
machen
braun und erhöhen die Libido |
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